Drei Fragen an Bernd Liepold-Mosser

Drei Fragen an den Regisseur Bernd Liepold-Mosser

"Noch sind wir der menschenverachtenden Idiotie nicht ganz ausgeliefert."

Drei Fragen an den Regisseur Bernd Liepold-Mosser

Wie kamst Du auf die Idee, einen Theaterabend zu konzipieren, der sich mit der Sprache der neuen Rechten beschäftigt, diese Sprache ins Zentrum stellt und deren Mechanismen entlarvt? Was hat Dich dazu bewogen?

Für mich ist Theater ein Ort der Auseinandersetzung mit den Fragen unserer Zeit, und die Ausbreitung von rechten und faschistischen Inhalten ist leider ein Thema, das uns alle beschäftigt. Es geht darum, die rhetorischen Strategien und Narrationen der Rechten freizulegen und sich mit künstlerischen Mitteln damit auseinanderzusetzen. Neben den eskalativen Provokationsmechanismen und dem bewussten Spiel mit der Verwendung von Nazi-Begriffen gehören dazu auch das Verbreiten eines neuen Männlichkeitsbildes, die feindliche Abgrenzung und Diffamierung von Andersdenkenden und die bewusste Vernichtung von Diskurs. Wir antworten darauf mit Strategien der Übertreibung und Zuspitzung, mit Subversion durch Affirmation – wie es Slavoj Žižek einmal genannt hat. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz, der den Rechten ja eigentlich fehlt. 

Wie darf ich mir Euren Arbeitsprozess vorstellen?

Ich habe im Vorfeld viel recherchiert und das Material zu einer dramatischen Textfläche verarbeitet, die wir im Prozess dann aufgeteilt und weiter ausgearbeitet haben. Das Ziel war es, mit einer quasi alltäglichen Situation zu beginnen und diese dann weiter und weiter eskalieren zu lassen und dafür performative Ideen und Bilder zu entwickeln. Wir hatten in den Proben ein sehr klares gemeinsames Anliegen, und wir hatten Freude daran, Dinge zu erfinden und so richtig auf die Spitze zu treiben.

Die Live-Musik kommt von der bekannten Singer-Songwriterin Clara Luzia, mit der Du schon oft zusammengearbeitet hast. Im Untertitel nennt Ihr Euer Stück „Eine Sprachoper“. Was ist damit gemeint? Und wieso passt das Genre zu Eurem Thema?

Der Begriff soll deutlich machen, dass wir die Texturen nicht als Identitätsbeschreibungen von Stück-Figuren verstehen, sondern als sprachliches Material, das wir aus seinem Kontext herauslösen und einem Prozess der Dekonstruktion aussetzen. Neben den zahlreichen rhythmischen und chorischen Passagen gibt es dann auch noch die Sounds und Athmos von Clara Luzia – und natürlich ein paar sehr schöne Lieder, die sie als ironisches Spiel mit Volks- und Unterhaltungsmusik geschrieben hat. Letztendlich soll der Abend auch Spaß und Mut machen – denn noch sind wir der menschenverachtenden Idiotie nicht ganz ausgeliefert. 

Die Fragen stellte Hannah Lioba Egenolf.