Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft

Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft

Programm und Anmeldung:

https://konferenz-2024.dramaturgische-gesellschaft.de

Die Dramaturgische Gesellschaft e.V. bringt Theatermacher_innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zusammen und versteht sich als offene Plattform für den Austausch sowohl über die künstlerische Arbeit und Produktionsweisen als auch über die gesellschaftliche Funktion des Theaters.

 

Herzstück der Arbeit der Dramaturgischen Gesellschaft ist die Jahreskonferenz, die jeweils an verschiedenen Kulturinstitutionen im deutschsprachigen Raum stattfindet. Die Jahrestagungen der DG sind impulsgebend für die gesamte deutschsprachige Theaterszene und Versammlungs- und Netzwerkanlass für Kulturarbeiter_innen aus den verschiedenen Theaterbereichen und die Vereinsmitglieder. Sie stehen jeweils unter einem Thema, welches das Programm der Tagung inspiriert.

 

Von „Wer ist WIR?” 2011 in Freiburg über „Wie wollen wir arbeiten?” 2014 in Mannheim hin zu „Politisches Handeln jetzt” 2016 in Berlin, von „Dramaturgien des Widerstands” 2018 in Greifswald über „Allies, Activists and Alternatives in European Theatre” 2020 in Gent bis zu „Have you tried turning it off and on again –

Theater für eine Welt im Schleudergang” 2023 in Mülheim a.d. Ruhr – die Dramaturgische Gesellschaft hat mit diesen Tagungen als Thinktank wesentliche Veränderungen in der Theaterlandschaft inspiriert und mit angestoßen.

 

Die Dramaturgische Gesellschaft kooperiert mit zahlreichen Verbänden und Interessensvertretungen, u.a. dem Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage, dem Internationalen Theaterinstitut (ITI Germany), dem Verband der Theaterautor*innen (VTheA), dem Szenografie-Bund, dem dramaturgienetzwerk, dem Netzwerk Regie. In Vorbereitung der diesjährigen Konferenz hat sich der Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft diese Fragen gestellt: Was stand noch nie auf der Agenda? Was fehlt? Wo sind die blinden Flecken? Und welches Thema wünschen wir uns, nach Jahren der (notwendigen) harten politischen Auseinandersetzung?

 

Die Antwort ist so einfach wie überraschend: Humor. Lachen. Komödie. Leichtigkeit. Das deutschsprachige Theatersystem tut sich schon immer schwer mit der Komödie, die allzu schnell in den verpönten „U-Bereich verbannt wird, in dem es – angeblich – nicht mehr kritisch, reflektierend oder ästhetisch anspruchsvoll zuginge. Die Spaltung zwischen E wie Ernst und U wie Unterhaltung ist tief und hat eine lange Tradition. Nur langsam – und eher halbherzig – öffnen sich Institutionen und die freie Szene der Komik. Woran liegt das? Und: Was gibt es denn zu lachen, angesichts der andauernden Kriege und Krisen, der gesellschaftlichen Spaltung und des Rechtsrucks, der auch die Kunst und Theater bedroht?

 

Dass wir uns so schwertun mit der Komik, konnte mit dem zweiten Tagungsthema zu tun haben, einem anderen blinden Fleck des sonst so engagierten und diskriminierungssensiblen Diskurses im deutschsprachigen Theaterbetrieb. Es ist auffällig, dass ein Thema in allen Debatten und Diskursen um Gleichstellung, Antidiskriminierung, Teilhabe fast immer unter den Tisch fallt: die (soziale) Klasse bzw. der Klassismus, der ausgrenzend auf Menschen wirkt, die aufgrund ihrer Biografie oder Herkunft, also ihrer Klassenzugehörigkeit, kein oder wenig Vorwissen in Bezug auf Kunst und Kultur erwerben konnten bzw. denen auch die finanziellen Mittel fehlen, um an Kulturveranstaltungen teilzunehmen. Wer kann es sich leisten, ins Theater zu gehen? Oder auch: dort ein Praktikum zu machen? Wer fühlt sich vom Programm angesprochen? Wer geht auf eine Schauspielschule? Und nicht zuletzt: Wessen Lebensrealität wird auf der Bühne dargestellt? Und wie?

Gibt es hier einen strukturellen Zusammenhang? Der Theaterbetrieb verweigert Formaten UND Menschen den Zutritt, denen das soziale und kulturelle Kapital (nach Pierre Bourdieu) fehlt. Die diesjährige Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft in Wien – der Stadt des Schmähs, von Johann Nestroy und Stefanie Sargnagel – denkt Humor und Klasse zusammen:

 

Warum fallt dem deutschsprachigen Theater der Humor so schwer? Warum ist die klassistische Diskriminierung immer noch so unsichtbar? Worüber können und wollen wir heute eigentlich (noch) lachen? Wie reisen wir die Grenze zwischen U und E denn nun wirklich ein? Wie öffnen wir die Diskurse auch für Menschen, die ihre Regeln noch nicht kennen? Was kann Theater von Stand-Up, von Kabarett lernen? Was ist eine gute Komödie? Was sind die Strategien emanzipatorischen Humors, wie geht „woke comedy“? Wann gibt es endlich mal wieder etwas zu lachen?

 

In Panels, Gesprächsrunden, Workshops und weiteren Austauschformaten werden sich die Teilnehmenden der Konferenz mit den verschiedenen Perspektiven auf das diesjährige Thema beschäftigen. Gäst_innen sind u. a. Betina Aumair, Ewe Benbenek, Barbara Blaha, Denice Bourbon, Verena Brakonier, Daniel Bernard Cremer, Aslı Kışlal, Ivana Pilić, Sahar Rahimi, Vanessa Stern, Yosi Wanunu, der Deutsche Bühnenverein, das Netzwerk Regie sowie Autor_innen, die vom Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage nominiert werden.

© Stefanie Sargnagel

Programm im Kabelwerk und am Petersplatz