Drei Fragen an Bernhard Studlar & Martina Knoll

Drei Fragen an Bernhard Studlar & Martina Knoll

Zwanzig Jahre WIENER WORTSTAETTEN – das muss groß gefeiert werden! Ihr habt Euch dazu entschieden, zwanzig Autor*innen, die mit Euch in künstlerischem Zusammenhang stehen, mit kleinen Schreibaufträgen zum Thema des Feierns zu betrauen. Haben Euch die Ergebnisse überrascht?

Ja, total. Die Bandbreite ist enorm. Man denkt ja bei dem Wort „Feier“ erst einmal an Geburtstage oder andere Ereignisse wie Hochzeiten zum Beispiel. Es geht in diesen Texten aber unter anderem auch um die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft, um das Ende von Diktaturen oder gesellschaftliche Verschiebungen, da werden politische Perspektiven eingenommen und mitunter sehr humorvoll in Szene gesetzt. Überhaupt spielen verschiedene Perspektiven eine große Rolle. Wie erleben Service-Mitarbeiter:innen eine Feier? Oder wie feiert ein Hund das Nachhausekommen seines Besitzers? Aber auch welche Schwierigkeiten können mit einer Feier einhergehen und wann ist der beste Zeitpunkt für das Ende? Das alles ergibt ein sehr buntes Kaleidoskop des Feierns.

Seit zwanzig Jahren begleitet Ihr Schreibprozesse von Gegenwartsdramatiker*innen. Was hat sich in der Praxis des Schreibens verändert? Gibt es neue Tendenzen? Was ist da Eure Beobachtung?

Man kann die Gattung „Drama“ nicht alle paar Jahre neu erfinden, aber es gibt immer wieder Formen, die einen überraschen. Einige Jahre lang war post-dramatisches Schreiben angesagt oder das sogenannte „post-migrantische“ Theater. Ich halte von solchen Labels eher wenig, weil Autor:innen dadurch in Schubladen gesteckt werden und es schwer ist, aus einer solchen Lade wieder rauszukommen. Allgemein würde ich sagen, dass seit einigen Jahren eine große Vielfalt in der Gegenwartsdramatik vorhanden ist.  Das sieht man auch an Stücken, die im Rahmen unseres Drama Lab entstehen. Und das ist gut so!

Was wünscht Ihr Euch für die nächsten zwanzig Jahre?

Weltfrieden und ein eigenes Theater für all die wunderbaren Theaterstücke, die noch geschrieben werden.

Die Fragen stellte Hannah Lioba Egenolf.