Drei Fragen an Nora Köhler & Helmut Köpping

Drei Fragen an Nora Köhler & Helmut Köpping

Zwei Generationen treffen aufeinander

Drei Fragen an Nora Köhler & Helmut Köpping

Es ist mehr als ungewöhnlich, dass sich zwei Ensembles zusammenschließen für ein Projekt und dann noch zu diesem Thema. Könnt Ihr Euch noch erinnern, von wo die Idee für dieses gemeinsame Projekt ihren Ausgangspunkt genommen hat?

Das TiB (Theater im Bahnhof) hat beim Planetenpartyprinzip angefragt, einen Pakt zu schließen. Am Anfang ging es erst einmal um Austausch: Was interessiert uns aneinander, was könnte ein gemeinsamer Nenner sein, ohne dass man sich sofort auf ein Thema festlegt. Daraus haben wir ein Tandem-Format entwickelt, ein bisschen wie Speed-Dating: kurzes Kennenlernen, schnelles Skizzieren und ein gemeinsames Vokabular finden.


Irgendwann kam dann der Themenvorschlag „Erben“ vom Regie Duo, und der hat bei allen sofort etwas ausgelöst. Plötzlich waren da Geschichten, Bilder, auch die Frage von Generationen und Weitergabe zwischen zwei Gruppen. Ab dem Moment war klar: Da stürzen wir uns rein.

Ihr seid ja zwei Ensembles, die jeweils für sich schon so viele Jahre Theaterabende entwickeln, aber sicher auf unterschiedliche Weise arbeiten. Wie haben diese Arbeitsweisen zusammengefunden?

So unterschiedlich sind unsere Arbeitsweisen gar nicht. Im Zentrum steht die improvisatorische Näherung an ein Thema. Die Spieler*innen sind auch als Autor*innen am Prozess beteiligt. Es gab eine positive Verstärkung durch die große Gruppe. Die Freude an der Begegnung hat die Aufmerksamkeit auf den Proben verstärkt. Für das Planetenparty Prinzip war das TiB in Graz von Anfang an eine Referenz dafür, wie man Theater macht und Abende baut, und im gemeinsamen Prozess hat sich das als gegenseitiges Lernen fortgesetzt.

Die Choreografie hat das TiB zum Beispiel von den Planeten gelernt. Manches war herausfordernd, aber auf die gute Art: nicht als Druck, sondern als Lust, das eigene Repertoire zu erweitern. Insgesamt hat es sich selten angefühlt wie zwei Systeme, die aufeinanderprallen, eher wie ein echter Austausch. Es gibt eine ähnliche Auffassung von Humor, das ist entscheidend. Und der ganze Prozess hat allen sehr viel Spaß gemacht.

Die von Euch an dem Abend zum Vorschein kommenden Situationen des Erbens bei den Beteiligten sind ja sehr persönlich und verschieden. Gibt es eine Art Erkenntnis, die Ihr aus dieser Arbeit mitnehmt? Oder eine Art Wunsch an die Zukunft?

Es gab eine große Resonanz zum Thema, weil es sich in vielen Ebenen der Zusammenarbeit erzählt. Zwei Generationen treffen aufeinander, auch zwei Generationen von freien Theaterensembles aus einer Stadt. Manchmal war das spürbar, manchmal gar nicht. Im gemeinsamen Prozess hat sich schon gespiegelt, worum es im Stück geht: Weitergabe. Nicht nur von Dingen, sondern auch von Arbeitsweisen, Verantwortung, Vertrauen und Humor. Was geben die Älteren an die Jüngeren weiter? Welche Erfahrungen bringen die Älteren in Bezug auf Erben ein? Was brauchen die Jungen, um sinnvoll arbeiten zu können? Und die Frage, wie man mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenarbeitet, ohne dass es hierarchisch wird, war dabei nicht Theorie, sondern Praxis.

Ein Wunsch an die Zukunft ist, in ein paar Jahren wieder einen Pakt eingehen zu können. Zu erzählen gäb’s genug.

Die Fragen stellte Esther Holland-Merten.